Hilfe zur Selbsthilfe

Es gibt unterschiedliche Gründe, mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Neben der Informationsbeschaffung über meine Krankheit und die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten ist ein ganz wichtiger Grund, hier Menschen zu erleben, mit denen ich offen sprechen kann, die mir zuhören, die sich für meine Ängste und Sorgen interessieren.

In einer SHG gibt es keine Ratschläge wie
 “das müssen andere auch durchstehen”,
 “das habe ich auch erlebt”, o. ä.

Wichtig ist, mit dem Kranken zu sprechen und nicht über ihn. Selbst das mitleidvollste Gespräch über einen Erkrankten lässt ihn niemals erfahren, ob der andere ihn versteht. Viele zwar gut gemeinte aber wenig überdachte Äußerungen ersticken jede Möglichkeit zu einem Gespräch.

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Je länger ein Leiden währt — und bei einer chronischen Erkrankung scheint es auf Dauer angelegt zu sein — desto mehr entsteht der Druck, sich ein Ventil zur Entlastung zu suchen. Hier ist z. B. die Selbsthilfegruppe ein wichtiger Ort, an dem man sich mitteilen kann. Fachärzte raten allen Betroffenen zur aktiven Auseinander­setzung mit einer chronischen Erkrankung in einer Selbsthilfegruppe. Denn durch fehlende Informationen steigen die Lebensängste. Die Menschen kapseln sich völlig ab und gelangen in kurzer Zeit in eine Isolation und bekommen dadurch noch mehr Probleme.

Es bleibt wohl niemandem von uns im Leben erspart, auch mit leidvollen Situationen fertig werden zu müssen. Dann wünschen wir uns einfühlsame vertraute Menschen, die uns zuhören. Stehen diese begleitenden Personen zur Verfügung, die sich auf das Leid einlassen können, so ist anzunehmen, dass für den Betroffenen die Last nicht mehr so schwer ist. Fehlt jedoch das Eingebundensein in ein Geborgenheitsnetz in der Familie oder bei Freunden, müssen sich diese Menschen neue Wege zur Linderung des Leidensdruckes suchen. Oft sind auch die Angehörigen überfordert und ziehen sich zurück, weil sie mit dieser Situation nicht umgehen können. Dies wiederum belastet den Kranken zusätzlich.

Was kann ich in einer Selbsthilfegruppe erwarten?

Da wir alle die gleiche Krankheit durchmachen, kann sich jeder gut einfühlen. Durch das verständnisvolle Gespräch und die Gewissheit, dass Schweigepflicht oberstes Gebot ist, haben viele Erkrankte unsere Hilfe angenommen. Viele sind dankbar für die Möglichkeit des Sich-fallen-lassen-könnens, was hier oft für sie zum ersten mal geschah. Jeder spricht nur von seinen Erfahrungen. Wenn man vielleicht zuerst in der Gruppe nicht sprechen mag, ist die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs gegeben, zu der wir alle jederzeit bereit sind.

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Alle Treffen verlaufen allerdings anders, da je nach Teilnehmer auch eine andere Problemstellung vorherrscht. Jeder ist für sich verantwortlich, wie er sich einbringt. Alle Beiträge sind wichtig und vielleicht kann gerade mein Beitrag dazu führen, dass andere Menschen dadurch der Lösung ihrer Probleme näher kommen.

Wir alle sind Laien, jedoch stehen uns jederzeit Gastroenterologen und Psychologen mit ihrem medizinischen Rat hilfreich zur Seite. In der Gruppe ist jeder gleichberechtigt. Wir alle in der Gruppe wissen von den Problemen, mit denen ein Hepatitiserkrankter täglich konfrontiert wird. Das reicht vom Ausgegrenztwerden durch Vorurteile bis zum Abbruch sozialer Kontakte aus Angst vor Ansteckung z. B. bei einer Virushepatitis. Bei einer Virusinfektion kommt Außenstehenden nur eine Ansteckung durch Drogenkonsum oder Straßenmilieu in den Sinn. Bei einer anderen Hepatitis wie z. B. Autoimmunhepatitis wird der Alkoholkonsum als einziger Grund angesehen. Also schweigt man lieber. Viele wagen nicht, den Angehörigen oder gar Arbeitskollegen von der Erkrankung zu erzählen.

Warum engagieren wir uns in der Selbsthilfegruppe

Wir alle haben bei der Krankheitsdiagnose "Hepatitis" die Hilfestellung der Selbsthilfegruppe erfahren. Dies hat uns über das erste Tief unserer Krankheit hinweggeholfen.Jetzt geben wir diese Hilfestellung und Begleitung gern weiter an diejenigen, die um unseren Rat nachsuchen.

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Im Laufe der langen Erkrankung haben wir alle die unterschiedlichen Erfahrungen sowohl mit unseren gesundheitlichen Beschwerden als auch mit den verschiedenen Reaktionen der Mitmenschen auf die vielen Erscheinungsbilder der Erkrankung gemacht. Immer wieder stoßen wir auf mangelndes Verständnis auch im engsten Umfeld, so dass wir wenig Möglichkeiten haben, über unsere ständig wechselnden Beschwernisse und unser seelisches Empfinden zu sprechen. Das ist jedoch ganz wichtig für uns, besonders dann, wenn man eine Therapie durchmacht, die mit ihren Nebenwirkungen nicht ganz leicht durchzustehen ist. Hier erfahren wir die Unterstützung und den Zusammenhalt der Gruppe.

Der einmalige Besuch einer Gruppe dient allerdings nur zur ersten Informationsbeschaffung. Selbsthilfe ist auf langfristige Unterstützung aller Gruppenmitglieder ausgerichtet. Besonders der Geheilten. Sie können uns den Mut geben, eine schwierige Therapie durchzuhalten.

Leben mit einer chronischen Erkrankung.

Jedem Menschen gelingt es anders, mit der Erkrankung fertig zu werden. Es gibt kein Patentrezept und wir alle wollen uns unterstützen durch Zuhören.

Um unsere Gedanken aber auch aus dem Bannkreis der Erkrankung herauszulösen, suchen wir uns durch gemeinsame Aktivitäten wie Theaterbesuche, Ausflüge und u. ä. Entlastung zu verschaffen.

Krankheit ist zwar ein Teil unseres Lebens — aber LEBEN ist der andere genau so wichtige Teil, dem wir viel Beachtung schenken.

Margret Budde