Wer ein Warum zu leben hat,
erträgt fast jedes Wie.

Friedrich Nietzsche

Aktuelles

Hepatitis B

Unter einer Hepatitis B versteht man eine Leberentzündung, die durch das Virus vom Typ B (im Folgenden mit HBV abgekürzt) hervorgerufen wird. HBV-Infektionen stellen mit jährlich über 250.000 Sterbefällen weltweit ein großes medizinisches Problem dar.

Eine akute HBV Infektion heilt in der Regel nach vier bis sechs Monaten aus. Rund 90% der Patienten können nach Ablauf dieser Zeit mit einer Normalisierung der Leberfunktion rechnen. In 10% aller Fälle kommt es jedoch zu einer Chronifizierung der Entzündung, woraus sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Leberzirrhose entwickelt. Die Lebensqualität chronisch Kranker ist stark eingeschränkt.

Durch eine Infektion mit dem HBV kann es zu einem sogenannten Trägerstatus (engl. "carrier") kommen, der durch den Nachweis bestimmter Virusbestandteile aber durch fehlende Krankheitszeichen gekennzeichnet ist. Diese Personengruppe stellt eine ständige Infektionsquelle und damit ein Reservoir für die Weiterverbreitung der Hepatitis B dar. Außerdem haben die Personen, die das HBV ständig in sich tragen, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Leberkarzinoms.

Weltweit rechnet man mit etwa 250-300 Millionen Menschen, die als Carrier des HBV gelten müssen. Auch in Europa gehört die Hepatitis B ebenfalls zu den wichtigsten Viruserkrankungen des Menschen. In Deutschland rechnet man etwa mit 240.000-400.000 Virusträgern (0,3-0,5% der Bevölkerung) und einer Neuinfektionsrate von über 20.000 Personen pro Jahr, wobei die Dunkelziffer nicht erfasster neu infizierter Personen erheblich größer ist.

Übertragung

Die Hepatitis B wird sexuell und parenteral (= unter Umgehung des Magen-Darmkanals) übertragen. Dies geschieht in der Regel durch Blut und Blutprodukte, wobei schon minimale HBV-haltige Blutmengen in der Lage sind, eine Hepatitis B hervorzurufen.

Besonders gefährdet sind Personen, die häufig Kontakt mit Blut und Blutprodukten haben. Die Ansteckungsgefahr für Personen mit chronischen Hauterkrankungen ist besonders groß, vermutlich deshalb, weil das HBV die erkrankte Haut leichter durchdringen kann als die gesunde.

Eine HBV-Übertragung durch stechende Insekten, wie Moskitos und Bettwanzen, scheint ebenfalls möglich zu sein. Eine Übertragung durch Bluttransfusion ist heute durch routinemäßig durchgeführte Voruntersuchungen von Blutkonserven auf das HBV hin selten geworden. Hepatitis B spielt heute vermehrt die Rolle einer "neuen" Geschlechtskrankheit durch den sexuellen Übertragungsweg. Drogenabhängige sind gefährdet durch den gemeinsamen Gebrauch des Spritzenbestecks. Die zufällige Einimpfung von HBV-haltigem Blut im Krankenhausbereich ("Nadelstichhepatitis") spielt eine wichtige Rolle.

Wissenschaftliche Untersuchungen konnten eindeutig zeigen, dass vor allem schlechte hygienische Verhältnisse die Ausbreitung der Hepatitis B begünstigen. Das HBV ist in allen Körperflüssigkeiten nachgewiesen worden (z.B. in Blut, Speichel, Urin, Sperma, Vaginalsekret). So ist z.B. eine Übertragung des HBV über Speichel bei einem intensiven Kuss ebenfalls denkbar, auch wenn ein solcher Übertragungsweg selten zu sein scheint. Häufig und gut belegt ist dagegen die Übertragung des HBV durch eine infizierte Schwangere auf ihr Kind und zwar vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel und bei der Geburt.

Symptome

Die akute Hepatitis B unterscheidet sich in ihren Symptomen und Beschwerden nicht von der Hepatitis A. Wie bei einer Magen-Darm-Grippe werden häufig uncharakteristische Oberbauchbeschwerden und Schlappsein beklagt. Die Krankheit kann aber auch ohne stärkeres Beschwerdebild verlaufen. Dadurch wird ein Großteil der Hepatitis B Fälle nicht aufgedeckt. Fieber ist im Gegensatz zu Hepatitis A ein eher seltener Befund. Hautveränderungen nach der Art eines Nesselfiebers kommen häufiger vor. Muskel- und Gelenkschmerzen deuten oft eher auf ein rheumatisches Krankheitsbild. Alles in allem gleichen die Beschwerden einer akuten Hepatitis B sehr häufig denen einer Grippe. Eine Gelbsucht tritt nicht immer auf.

Erst eine Laboruntersuchung kann Klarheit schaffen.

Diagnose

Bei der Hepatitis B kommt es aufgrund gesteigerter Durchlässigkeit der Leberzellmembranen sowie aufgrund der Zerstörung von Leberzellen zu einer Erhöhung der sogenannten "Leberwerte" im Blut. Dazu gehören die Transaminasen GOT und GPT , Gamma-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase), AP (alkalische Phosphatase) und LAP (Leuzin-Amino-Peptidase). Es müssen jedoch nicht alle Leberwerte gleichzeitig und gleich stark erhöht sein; oft betrifft die Erhöhung nur die Transaminasen GPT und GOT. Bei einem Teil der Patienten mit akuter Hepatitis B findet sich eine Erhöhung des Gallenfarbstoffes Bilirubin im Blut. Außerdem kann es bei einer akuten Hepatitis B zu einem Ansteigen des Serum-Eisenspiegels kommen; denn Leberzellen speichern viel Eisen, das bei ihrer Zerstörung frei wird.

Verlauf

Die akute Hepatitis B verläuft im Vergleich zur Hepatitis A meist schwerer. In 1-3% aller Fälle entwickelt sich ein besonders schwerer, rapider Verlauf, eine so genannte fulminante Hepatitis. Manchmal liegt in diesen Fällen eine Mischinfektion mit dem Hepatitis-D-Virus (= Delta-Virus) vor. Große Untersuchungsreihen haben gezeigt, dass sich bei ca. 90% aller Patienten mit akuter Hepatitis B innerhalb von etwa 4 Monaten wieder normale Leberfunktionen einstellen, und die Erkrankung folgenlos ausheilt.

Bei etwa 10% aller Patienten entwickelt sich aber ein chronischer Verlauf. In solchen Fällen ist zumeist die Entnahme einer Lebergewebsprobe zur genaueren Untersuchung erforderlich.

Vorbeugung

Die wichtigsten Schritte zur Vorbeugung einer HBV-Infektion bestehen im Meiden von Blutkontakten und vorsichtigem Umgang mit Blut und Blutprodukten bzw. damit in Berührung gekommenen Gegenständen. Da heute ein großer Teil der akuten Hepatitis B-Infektionen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr auftritt, sollte man sich die Intimpartner sorgfältig auswählen bzw. ein schützendes Kondom verwenden.

Darüber hinaus gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit einer Schutzimpfung gegen die Hepatitis B. Man unterscheidet eine sog. passive Schutzimpfung (mit Abwehrstoffen = Gamma- oder Immunglobuline) und eine aktive Schutzimpfung mit Hepatitis-B-Impfstoff.

Die Impfstoffe, die heute zur aktiven Schutzimpfung gegen die Hepatitis B zur Verfügung stehen, sind sicher, hochwirksam und gut verträglich, doch immer noch relativ teuer. Demzufolge ist die Durchführung einer aktiven Schutzimpfung bis heute noch auf Risikogruppen beschränkt. Dazu gehören: Homosexuelle, Drogenabhängige, Strafgefangene mit langer Strafdauer, Sexualpartner von Virusträgern, Neugeborene von Müttern, die das HBV in sich tragen, Patienten, die auf Blutprodukte angewiesen sind (Bluter), Hämodialysepatienten (Patienten in der Blutwäsche), Bewohner von Heimen für geistig Behinderte sowie im Gesundheitswesen Beschäftigte.

Texte nach Informationen der Deutschen Leberhilfe.
Zusammengestellt von Hepatitis Hilfe - Unna Hamm Soest e.V.